DiePresse20031110-Verlierer
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[bearbeiten] EU-Erweiterung:
[bearbeiten] "Bei uns auch Verlierer"
[bearbeiten] GUDULA WALTERSKIRCHEN (Die Presse) 10.11.2003
[bearbeiten] Wirtschaftslandesrat Gabmann sieht durch die EU-Erweiterung Probleme im Grenzland und setzt auf Qualität und Wissen.
- ST. PÖLTEN*. "Ich bin sehr optimistisch, was die EU-Erweiterung betrifft, aber ich verhehle nicht, dass es auch viel Risiko gibt." Wirtschaftslandesrat Ernest Gabmann (VP) gesteht im Gespräch mit der "Presse" ein, dass es - etwa im Bereich der Dienstleister - in Niederösterreich auch Verlierer durch den EU-Beitritt der Nachbarstaaten geben werde. "Das Grenzland leidet momentan noch darunter", so Gabmann. Derzeit würden eher die Zentralräume wirtschaftlich profitieren. Pro Jahr würden deshalb 14,5 Millionen Euro in die Grenzregionen gepumpt, etwa für Infrastruktur, sowie Förderungen für Projekte. "Es wird härter, das ist überall so." Konkurrenz könne man nie ausschalten, auch nicht unter Regionen, meint Gabmann etwa im Hinblick auf das Projekt "Euro Valley", ein in Bau befindlicher, riesiger Industrie- und Gewerbepark in der Nähe von Pressburg.
Die Chance Niederösterreichs sei es, durch bessere Qualität und Dienstleistung zu punkten, mit den Lohnkosten könne man nicht konkurrieren. "Wichtig ist, dass Forschung und Technologie bei uns angesiedelt sind", so Gabmann. Dann würde die Produktion automatisch folgen.
Große Hoffnungen setzt Gabmann auf den Tourismus. "Tourismus-Gurus sagen, dass nach der Erweiterung nach Österreich wahrscheinlich um 300.000 Gäste mehr kommen." Niederösterreich werde am stärksten partizipieren, schon jetzt kämen viele Gäste aus Ungarn und Tschechien. So habe man im September eine Steigerung bei den Nächtigungen von 13 Prozent erreicht, bei einem Bundesdurchschnitt von 4,7 Prozent. Dass der zunehmende Verkehr und der Bau neuer Autobahnen den Tourismus stören werden, glaubt Gabmann nicht. Er hält den Bau der Nordautobahn A5 für "unbedingt notwendig" für die Ansiedelung von Betrieben, dies zeigten die Erfahrungen. *Natürlich werde, gesteht er ein, die A5 auch eine Transitroute werden*.
Zum Spitzenplatz, den Niederösterreich bei der Verkaufsfläche in Einkaufszentren belegt, meint Gabmann, dass man hier eine Entwicklung übersehen habe. *"Es gibt schon zu viele Einkaufszentren, keine Frage."* Daher müsse man Ordnung schaffen und sei dabei, das Raumordnungskonzept zu novellieren. Er setzt bei Einkaufs-, Freizeitzentren und auch beim Gewerbe auf Kooperationen zwischen den Gemeinden. "Es ist nicht sinnvoll, dass jeder Ort seinen Wirtschaftspark, eine Stadthalle und ein Hallenbad hat."

