DerStandard20031104-Verkehrstraum

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[bearbeiten] Zweiter Traum vom Verkehr auf Schiene

([| Originalartikel im Standard])

[bearbeiten] "Masterplan Verkehr" - nach zehn Jahren nun der zweite Anlauf: Die Stadt Wien will wieder den Anteil von Öffis, Radler und Fußgängern am Verkehrsgeschehen erhöhen

  • Wien* - Gescheitert sind sie schon einmal - aber man kann es ja trotzdem noch einmal versuchen. Der Anteil des Kfz-Verkehrs sollte von 37 auf 25 Prozent aller in der Stadt zurückgelegten Wege reduziert werden. Und zwar bis 2010. So die Zielvorgabe im Wiener Verkehrskonzept, das 1993 beschlossen wurde. Jetzt - zehn Jahre später - hält der Kfz-Verkehr mit minus einem Prozent bei 36 Prozent. Also steckt sich die Stadtregierung ein neues Ziel: Eine Reduktion auf 25 Prozent - bis 2020. Für Planungs- und Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker (SP) nun "ein realistisches Ziel".

Der Fahrradanteil sollte sich gemäß der guten Vorsätze aus 1993 bis heute von drei auf sechs Prozent verdoppelt haben - jetzt soll der Wert bis 2020 auf acht Prozent gesteigert werden. Der Anteil des öffentlichen Verkehrs ist im vergangenen Jahrzehnt sogar gesunken: von 37 auf 34 Prozent. Jetzt nimmt man sich 40 Prozent als Ziel vor.

[bearbeiten] Kfz-Vorhaben

Was nun die konkreten Maßnahmen betrifft, findet sich etwa beim Individualverkehr nicht nur der Bau der Nordost-Umfahrung S1 zwischen Donau (Lobau) und Nordautobahn A5. Ab 2007 soll etwa auch die Flughafen-Autobahn A4 zwischen Tangente und Flughafen auf drei Fahrspuren ausgebaut werden.

Im Innerstädtischen wird unter anderem eine "gestalterische Aufwertung" des Karlsplatzes und eine Neuordnung der Verkehrsströme vor Schönbrunn angekündigt. Durch den Umbau von Linker und Rechter Wienzeile soll der Naschmarkt aufgewertet werden.

Die Maßnahmen für den öffentlichen Verkehr sind weitgehend bekannt. Wie etwa der Bau vom "Bahnhof Wien" im Bereich Südtiroler Platz oder der Umbau des Westbahnhofgeländes. Bis 2005 ist ein 7,5-Minuten-Grundtakt auf der Schnellbahnstammstrecke zwischen Floridsdorf und Meidling vorgesehen.

Was die 4. Stufe des U-Bahnbaus betrifft, werden mögliche Verlängerungen aufgelistet: U1-Süd nach Rothneusiedl, U2-Nord zum Flugfeld Aspern, U2 vom Karlsplatz über Aspanggründe und Arsenal zum Frachtenbahnhof Südost und U6 nach Stammersdorf. Allerdings: Die "Priorisierung" dieser Varianten müsse noch "nach volkswirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten" erfolgen. Dass vor allem die Verlängerung der U6 nach Norden mehr als wackelt, wurde im STANDARD bereits berichtet (mehr zum U-Bahnausbau: siehe unten).

Straßenbahnen sollen wieder einmal im Verkehrsgeschehen Vorrang bekommen - "Halt nur an Haltestellen" lautet diesmal der Slogan.

[bearbeiten] Rad-Offensive

Für die Strampler soll das Hauptradwegenetz "zügig" ausgebaut werden. Rad fahren gegen die Einbahn "soll Regelfall werden". Für den Ausbau des Radwegnetzes sollen bis 2008 insgesamt 30 Millionen Euro budgetiert werden. Weiters ist ein Radverkehrsmanagement mit "Durchgriffsrecht auf die durchführenden Abteilungen" vorgesehen.

Aber auch das zu Fuß gehen soll attraktiver werden. Bei der Planung von Gehwegen sollen die "Wunschlinien der Fußgänger" höchste Priorität bekommen. Wie schon 1993 nehmen sich die Stadtplaner wieder eine "durchgehende Mindestgehsteigbreite von zwei Metern" vor.

Die 18 Kapitel des Masterplans werden heute, Dienstag, im Gemeinderat einzeln abgestimmt. Mit unterschiedlichen Mehrheiten. Die Grünen werden etwa zwei Dritteln der Punkte zustimmen - insbesondere beim Radkapitel sehen sie einige ihrer Forderungen erfüllt. Die FPÖ wird den Masterplan ablehnen - *bei der Nordostumfahrung etwa wird eine Trasse weit außerhalb der Stadt gefordert*. Auch die ÖVP wird die Pläne ablehnen - sie will eine Verdoppelung des U-Bahnnetzes. (Roman Freihsl, Der Standard, Printausgabe, 04.11.2003)

[Anm. UVP-KO: Die U1-Süd sollte nicht nur bis Rothneusiedl, sondern gleich bis zum Kurbad Oberlaa verlängert werden. Nur so könnte man viele Leute dazu bringen, statt mit dem Auto mit der U-Bahn ins Kurbad oder zur Veranstaltungs- und Messehalle zu fahren.]

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